Malsfelder Verein für
Dokumentation und Archivierung e.V.

Juden in Malsfeld

Haus am Bilsenrain

Seid Jahrhunderten ist bekannt, dass in Malsfeld jüdische Familien lebten. Im Malsfelder Exercitien Buch ( 1653 - 1676) ist die Anwesenheit von jüdischen Familien nachzuweisen. In diese Zeit ist auch zu ersehen, dass Beiseförth auch zu Malsfeld gehörte, denn im Hausprotokoll derer von Scholley wird sehr oft erwähnt, dass nicht nur die Juden aus Malsfeld auch Einwohner von Beiseförth, entsprechend Juden, auf der Burg Scholley gearbeitet haben.

In Malsfeld waren seid dem Kaiserreich 1870 die Malsfelder Juden Handelsleute. Es wurde grundsätzlich nur mit Vieh gehandelt, außer Schweine, denn die sind nach jüdischer Sitte unrein.

Da in Malsfeld seid eh und jeh nur drei Familien gewohnt haben, hatten in einem Haus in der Nähe der heutigen Dorflinde, einen entsprechenden Betraum. Da die jüdischen Familien auch sehr religiös eingestellt waren, wurden strenge jüdische Sitten in Malsfeld gepflegt. In der früheren Entengasse, heute ist das in der Kirchstrasse das Haus von der Familie Schirmer, war das Judenbad. Die Sitte schrieb vor, dass das Wasser von einem frei fließenden Fluss nicht in das Bad fließen kann. Das Wasser im Bad wurde durch das Grundwasser gespeichert. Es eignet sich zwar nicht zum Schwimmen, ( wie in einem Schwimmbad) sondern zu religiösen Übungen. Außerdem war in dem Haus einer jüdischen Familie am Bilsenrain das Schlachthaus für die jüdischen Familien in Malsfeld. Die Juden haben ja bis heute noch die Sitte, die Schlachttiere nicht zu betäuben, sondern durch einen Schnitt durch die Kehle das Tier ausbluten zu lassen. Diesen Vorgang nennt man Schächten.

Zu den Feiertagen der Juden:
Es beginnt an einem Samstag und heißt Sabatt. Auf Malsfelderisch heißt das Schawess. Es wird nicht gearbeitet und es gibt entsprechende, genaue, vorgeschriebene Speisen. Ein hohes Fest der Juden in Malsfeld war auch das Laubhüttenfest. In dem Judenhaus in der Nähe der Dorflinde, wo der Gebetsraum drin war, war hinter dem Haus die sogenannte Laubhütte. Hier wuchs auch ein Rebenstock der grüne Weintrauben trug. Zu dem Laubhüttenfest wurde auch ein besonderes Brot gebacken. Auf Malsfelderisch heißt es Matzen. In Beiseförth lebten viele jüdische Familien und aus dem Grund wurde auch eine Synagoge gebaut, die auch von den Malsfelder Juden besucht wurde. Da ein Jude nicht auf einem christlichen Friedhof beerdigt werden konnte, wurden die Malsfelder Juden in Binsförth auf einem entsprechenden Judenfriedhof beerdigt. Da die Malsfelder Juden mit den Bürgern aus Malsfeld zusammen lebten, gaben sie auch den verstorbenen Bürgern die letzte Ehre, indem sie bei einer Beerdigung außerhalb der Friedhsofumzäunung standen und den Toten die letzte Ehre erwiesen, weil sie nicht mit auf den Friedhof gehen durften. In Malsfeld ist schon um 1934 eine jüdische Familie ausgewandert. Der Eisenbahner Dobslaw kaufte das Haus und baute es total um. Im gegenüber liegendem Haus wohnte noch eine jüdische Familie zur Miete. In dem Haus am Bilsenrain wohnte eine noch jüdische Familie zur Reichskristallnacht die bei der Zerstörung der Judenhäuser und Synagoge von Beiseförth nach Malsfeld geflüchtet sind. In Malsfeld ordnete der Ortsgruppenleiter an, dass keine Scheibe in Malsfeld zerstört werden durfte.

Der Landwirt Adam Preußel und noch ein anderer SA Kamerad mussten die ganze Nacht Wache stehen. Als einige SA Männer von Beiseförth nach Malsfeld kamen, wurden sie abgewiesen mit den Worten:" Was in Malsfeid zerstört wird, dass bestimmt der Ortsgruppenleiter . "

Es dauerte nicht lange, da sind auch die verbliebenen Familien aus Malsfeld ausgereist. 1975 ist noch ein Nachfahre von der jüdischen Familie im Ort gewesen. Im Jahr 1936 als der Jude Koppelkatz im hohem Alter gestorben ist, hat sogar der Nachbar Dobslaw, der bei der Motor NSDAP Gruppe war, die Beerdigung usw. organisiert.

 

Verfasser: Konrad Müldner