Malsfelder Verein für
Dokumentation und Archivierung e.V.

Die Entstehungsgeschichte von Malsfeld

Malsfelds Geschichte im Zeitablauf  

Im 8. Jahrhundert lag an der heutigen Straße zwischen Malsfeld und Elfershausen, oberhalb des Bahnhofs, das Dorf Dackenborn (786 erstmals erwähnt). Dort, in der Nähe der heutigen Wüstung Dackenborn, soll Bonifatius auf seiner Missionsreise nach Thüringen (um 730) gelagert haben. Das Gelände wird noch heute "Bonifatiusacker" genannt.

1196 wird Malsfeld als "malzvelten" in Urkunden des Klosters Spießkappel, des Chorherrenstiftes der Prämonstratenser, erstmals erwähnt. Das Kloster, zu dessen Herrschaftsgebiet auch Malsfeld gehörte, war Anfang des 12. Jahrhunderts, wahrscheinlich aus machtpolitischen Gründen, auf der Trennungslinie zwischen dem alten Fränkischen Hessengau im Norden und dem Oberlahngau im Süden gebaut worden.

1130 war das Gebiet nördlich von Marburg -die Herrschaft Hessen- unter Ludwig I., dem Landgrafen von Thüringen, mit der Landgrafschaft Thüringen vereinigt worden. Ludwigs Sohn nannte sich Graf von Hessen. Als dieses Geschlecht

1247 im Mannesstamm ausstarb, wurde die Herrschaft Hessen von Thüringen getrennt und fiel an Heinrich den I. aus dem Hause Brabant –das "Kind von Brabant" genannt- der als Landgraf von Hessen, der Stammvater des Hauses Hessen (Kurhessen und Hessen Darmstadt) wurde.

1253 gehen aus den Händen des Berthold von Felsberg dessen hessische Güter und Lehen an das Kloster Breitenau über. Das Kloster bekommt auch die Lehnsherrschaft über das Dorf "Malzfelt" mit der Kirche (hier wird die Malsfelder Kirche, Vorgängerin der heutigen, erstmals erwähnt) und die dazu gehörenden Hörigen. Die Gerichtsbarkeit behalten die Familien von Hebel und von Falkenberg, in deren Händen sich auch das Rittergut, ein Burghof, befand. Bis ins 16. Jahrhundert hinein unterliegen das Dorf und seine Burg aufs Neue wechselnden Besitzverhältnissen.

1521 tritt Henning von Scholley als Lehnsherr in die Geschichte von Malsfeld ein. Die von Scholley waren ein märkisches, in Brandenburg ansässiges Geschlecht (seit Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar) und tauchten zum ersten Mal zwischen 1506 und 1509 in Hessen auf.

Henning von Scholley trat in hessisch-landgräfliche Dienste, zunächst als "Pflegeperson" bei dem schwerkranken und entmündigten Wilhelm dem Mittleren, dann nach dessen Tod im Jahr 1509 bei seinem Sohn, dem späteren Landgrafen Philipp, der als der Großmütige bezeichnet wird, als "Kammerdiener und Getreuer" (so ein Lehnsbrief von 1518). Es ist überliefert, daß er ein tapferer und diensteifriger treuer Mann gewesen sein soll, der es verstand, die Gunst des jungen Landgrafen Philipp zu gewinnen. Wie hoch die Wertschätzung gewesen sein muß, die Henning durch Philipp genoß, bezeugen Lehnsbriefe aus den Jahren 1521, 1527, 1539 und 1540, die die Verlehnung der Hälfte von Malsfeld betrafen (die andere Hälfte erwarben seine Nachkommen 1581 von denen von Falkenberg).

1524 heiratete Henning von Scholley Gertrude Koch, die einzige Tochter des sehr wohlhabenden Kasseler Bürgermeisters und Innungsvorstehers Ludwig Koch. Hier dürfte ein Grundstück für spätere Erwerbungen gelegen haben, zu denen auch Dagobertshausen mit dem Gut Schnegelshof, Beiseförth, die Fahre links der Fulda und das Gut Kämmershagen im Knüll gehörten.

1542 starb Henning von Scholley -in den letzten Januartagen- als "Fürstlich hessischer Rat und Kämmerer, erster Erb- und Gerichtsherr zu Malsfeld.

1525 wurde sein Sohn Georg geboren. Er erbte Malsfeld und war Hessischer Obrist. Er stand im Dienst Philipps des Großmütigen wie sein Vater und kommandierte die Festung der Landeshauptstadt Kassel, die, mit ihrem Ring von Wällen und Kasematten, damals die "stärkste Festung im Reich" genannt wurde.

1583 starb Georg von Scholley in Kassel, wo er in der Brüderkirche begraben liegt.

1576 ging aus der zweiten Ehe des Georg von Scholley der in Kassel geborene Sohn Philipp hervor. Als fürstlich-hessischer Präsident und Obervorsteher der adligen Stifte und Hospitäler genoss er die besondere Gunst und Freundschaft des Landgrafen Moritz.

1657 starb Philipp von Scholley im hohen Alter von 81 Jahren in Kassel. Er dürfte der letzte von Scholley gewesen sein, der an hervorragender politischer Stelle in landgräflichen Diensten gestanden hatte.

1613 wird –als eines von sechs Kindern- der Sohn Georg in Hersfeld geboren; er wurde, nach dem Tod von Philipp, Herr auf Malsfeld.

1654 heiratetet Georg von Scholley die Anna Christina von und zu Gilsa. Er brachte es zum hessischen Rittmeister. Aus seiner Zeit sind eine Reihe von Urkunden erhalten, die einen Ausschnitt des damaligen Dorflebens zeigen: Das Dorf Malsfeld hatte 1585 32 Häuser (eine Zahl, die erst 300 Jahre später sich verdreifacht hatte). Im "Exercitienbuch"(1613 bis 1668) des Rittmeisters Georg von Scholley sind seine Besitztümer und die Rolle der Malsfelder und Beiseförther Hörigen erzählt. (Link zum Exercitienbuch)

1668 starb Georg von Scholley. Sein Sohn Philipp, der in Malsfeld 1655 geboren wurde, war hessischer Kammerjunker. Er scheint der Scholle besonders verbunden gewesen zu sein, wie Grenzsteine mit seinem Namen und Wappen, die sich um das Scholley-Gut Kämmershagen im Knüll finden, vermuten lassen.

1702 stirbt Philipp von Scholley in Malsfeld.

1698 wurde sein Sohn Friedrich August in Kämmershagen geboren, der 1758 starb. Seine im gleichen Jahr geborene einzige Tochter heiratete später einen von Gilsa. Von seinen zwei Söhnen übernahm der im Jahre

1730 geborene Ludwig August das Lehn. Er war Oberhofrichter und Regierungsrat, daneben fürstlich Hessischer Obervorsteher der adligen Stifte.1813 starb er in Malsfeld.

1778 wurde sein Sohn Karl Wilhelm geboren. Er war der letzte Herr von Scholley auf Malsfeld.

1829 starb er als hessischer Hauptmann außer Diensten auf seinem Gut in Kämmershagen.

1847 starb sein einziges Kind, die Tochter Wilhelmine Henriette, in Kassel. Seine Witwe Margarete geb. Winnefeld heiratete den Landwirt Konrad Brand

1832 der zu der Zeit Pächter auf dem Riedeselschen Gut Ludwigseck war. Da festgelegt war, daß der Lehnsbesitz auch auf die weibliche Linie übergehen konnte, kam es nach dem Tod der letzten von Scholley zu mehrjährigen Erbstreitigkeiten zwischen den Allodial-Erben der Familie Brand (Erben des freien Besitzes) und den Lehnserben aus der Linie derer von Gilsa, die 1858 durch einen Vergleich abgeschlossen wurden.

Der Untergang der Feudalordnung mit seiner Auflösung der Lehens- und Fronbeziehungen (für Malsfeld gekennzeichnet durch das Aussterben des Geschlechts derer von Scholley) und die fortschreitende Industriealisierung brachten den Einwohnern neue Lebensverhältnisse.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in unserem Raum vorwiegend von Ackerbau, Viehzucht und Leinenweberei.

1848 mit der Eröffnung des Bahnhof Beiseförth und Anschluss an die hessische Nordbahn eröffneten sich neue Arbeitsmöglichkeiten und Zugang zu den Markträumen von Kassel und Hersfeld.

In den Jahren des Deutschen Bundes war das Rittergut verpachtet und der Schnegelshof an den Staat verpfändet (er wurde später der königlichen Domäne Elfershausen als Vorwerk zugeschlagen).

1864 kauft Franz Heydenreich von den Brand-Erben das Rittergut. Am 27. März wird mit dem Bau der neue evangelischen Kirche begonnen, nachdem die alte, noch aus romanischer Zeit stammende, abgebrochen worden war. Sie wird am 18. Dezember des gleichen Jahres eingeweiht. Franz Heydenreich baut das Rittergut, das bis dahin ein altertümlicher Lehns-Burghof war, zu einem entsprechenden Gutshof aus. Er gestaltet das Wohnhaus um, schafft neue Scheunen und Stallungen, läßt Wald- und Braachland rechts der Fulda roden oder umbrechen, macht aus der alten Schnapsbrennerei derer von Scholley eine Bierbrauerei und errichtet zwischen

1870 und 1871 eine neue Dampfbrauerei. Zwischen dem Gutshof und der neue Brauerei wurde eine Parkanlage geschaffen.

1866 bringt die Annexion Hessens durch Preußen. Es entsteht die preußische Provinz Hessen-Nassau. Für unser Dorf bedeutet die Einführung des preußischen Rechts die Trennung von Gutsbezirk und Gemeinde. Das Gut wird eigenständiger Besitz; die Aufhebung der Leibeigenschaft, die in Preußen schon 1807 verfügt worden war, gilt jetzt auch für unseren Raum.

Verfasser: Konrad Müldner

In der anl. PDF-Datei ist die Transcription einer handschriftlichen Chronik zur Entstehung der Pfarrei in Malsfeld zu sehen. Der Verfasser ist unbekannt